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Projekt
„Milchmusik“
Thomas Strittmatter
WIEN - ROM 2009

Zeichnung von Monica
Giovinazzi als Vorbereitung zur Performance "Milchmusik"
21–25 Januar 2009 – Wien – Alte Schiebekammer Schmelz,
meiselstrasse 20, 1150 wien

- Theaterperformance
ÜBER DAS BUCH
MILCHMUSIK VON THOMAS STRITTMATTER
REGIE Monica Giovinazzi
mit Leopold Ritschka
21., 22., 23., 24. Januar 2009, 19.30 UHR
25. JANUAR, 2009 17.00 UHR
reservierung erforderlich
anschliessend:
Ausstellung einer Auswahl von Gemälden und Zeichnungen
von THOMAS Strittmatter
die veranstaltung sieht auch die Vorführung des Spielfilmes DRACHENFUTTER
(REGIE JAN SCHÜTTE, Drehbuch thomas Strittmatter) vor

(Neustiftgasse 31, 1070 WIEN - im lokal von roteHaare)
Februar 2009 – Rom - Kulturzentrum Raabe
- Aufführung vom Theaterstück „Brach“ auf italienisch
- Vorführung eines Spielfilmes mit Drehbuch von Strittmatter
Monica Giovinazzi
sagt zu Ihrer Arbeit
über
Milchmusik:
"Seit ich im Jahr 1995 in der Zeitung vom Tod von Thomas
Strittmatter erfuhr, wollte ich alles über ihn lesen und sehen. Ich
beschäftige mich besonders mit dem Text Milchmusik weil darin
Interessante und Universelle Themen sind: der Tod, der eines Tages
zu arbeiten beginnt; der Wunsch eines Mannes, sich in etwas anderes
zu verwandeln – in eine Milbe – und von jemandem irgendwo
trasportiert zu werden.
In meiner Vorstellung sehe ich einen alten Mann, der in einem von
Gegenständen vollgestopften grauen Raum sich kaum bewegt. Er sagt
Textteile, bietet sich dem herumstehenden Publikum – das sich auch
bewegen darf – an und erlebt seinen
schweren Körper und das innere Pochen seines Herzes.
Er hat sich von der ganzen Welt zurückzugehalten, und er
verabschiedet sich von seinen letzten Wünschen, um sich für den Tod
vorzubereiten. Der Mechanismus des Todes ist schon in Bewegung. Aber
im Augenblick in dem der Mann weggeht, passiert etwas... Es pocht
unter dem Tisch... seine Kunst, die Kraft, die ihm bis am Ende
geholfen
und seine Bewegungen wieder eingeschaltet hat, bleibt im Raum und
beginnt einen Netz zu flechten.
Das hätte ich
nicht gedacht,
sagt der Mann dass am Schluss etwas Unerwartetes passiert. Das
sein Kunstwerk weiterlebt,
das wünsche ich mir für Thomas Strittmatter. Kunst und Geld: was
nicht verdienen lässt, was nicht verkauflich
ist, ist nicht mehr Kunst? Darauf zu überlegen, das wünsche ich mir
für das Publikum.
Was mich besonders interessiert, ist, in der
Erscheinung der menschlichen Wesen den Tod zu erfassen, der in ihnen
arbeitet,
sagt der Maler
Francis Bacon. Diese Beobachtung finde ich in den beiden
Künstlern sehr ähnlich, deswegen habe ich mich für diese Performance
von Bacon inspirieren lassen. Die Inszenierung ist in verschiedenen
Bildern aufgeteilt um das Risiko einer Geschichte zu verhindern, -
denn der Text Milchmusik besteht aus mehreren Meinungen und Gedanken
und eine regelrechte Handlung hätte von der Tiefe der Wörter nur
abgelenkt - und zeigt eine Figur die ungewöhnliche Bewegungen macht
und die nicht zu Boden fallen will.
"Der Apfelduft wurde ihm wichtiger als das Tageslicht,
das nun ohnehin schon früh verlosch."
Am 29. August 1995 starb Thomas
Strittmatter mit 33 Jahren an Herzversagen.. Betrübt und bestürzt nahmen damals Freunde und
Feuilleton “von einem lieben Menschen”, einem der ”interessantesten
und begabtesten Autoren der jüngeren Generation” Abschied.
Thomas Strittmatter, geboren 1961 in St. Georgen im Schwarzwald,
hinterließ ein vielfältiges künstlerisches Werk: Theaterstücke,
einen Roman, Erzählungen, Drehbücher, Zeichnungen und Gemälde. Nach
dem Abitur hatte er zunächst an der Kunstakademie Karlsruhe Malerei
studiert, daneben jedoch schon immer geschrieben. Bekannt wurde er
durch seine Theaterstücke. Als die Uraufführung seines
Zeichnung von Thomas
Strittmatter -
Erstlingswerkes »Viehjud Levi« stattfand, war er gerade zwanzig
Jahre alt. Es folgten »Polenweiher« (1984) und »Kaiserwalzer«
(1986). 1990 erschien der Roman »Raabe Baikal«, der in viele
Sprachen übersetzt wurde.
Seine letzten Arbeiten waren die Drehbücher zu den Filmen »Winckelmanns
Reisen« (1990) und »Auf Wiedersehen Amerika« (1994), in
Zusammenarbeit mit Jan Schütte.
Thomas Strittmatter wurde mit zahlreichen Preisen und Stipendien
ausgezeichnet, darunter 1984 der Ernst-Willner-Preis beim
Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, 1989 der »Kranich mit dem Stein« des
Deutschen Literaturfonds und 1995 der Bayerische Filmpreis.
Milchmusik ist die erste Veröffentlichung aus dem literarischen
Nachlaß von Strittmacher. Daß er an diesem Prosaprojekt arbeitete,
war seinem Umkreis durch mündliche und schriftliche Erwähnungen
bekannt. In einem Brief schreibt er: "Es handelt sich bei Milchmusik
um sieben stafettenartig verquickte erzählerische Monologe. Menschen
befinden sich ständig in wandelnden, geschwinder werdenden
Lebenszusammenhängen, ihre Wahrnehmung verändert sich wie ihre
zwischenmenschlichen Bindungen. Meine neue Prosaarbeit versucht,
diese komplexen Veränderungen erzählerisch zu fassen, die Form des
Monologes soll anhand von sieben autonomen, trotzdem aber
zusammenwirkenden Sprachapparaten sprachlich-evolutionäre Vorträge
poetisch darstellen."

Von den ursprünglich geplanten sieben Monologen hat Strittmatter nur
zwei fertigstellen können (Milchmusik fertig, Im Kolk noch in Arbeit).
Trotz des nicht Ausformulierten handelt es sich bei Milchmusik um
ein vom Umfang her kleines, von seinem literarischen Gewicht jedoch
bedeutendes Prosawerk.
Thomas
Strittmatter 1995
Das Projekt
Dreizehn Jahre nach dem Tode von Thomas Strittmatter wird seine
Modernität immer klarer: ein vielseitiger Künstler, der nicht den
Ruhm erworben hat, den er verdient hätte, und dessen Schaffen in
einer steil aufsteigenden Kurve unterbrochen wurde, wie es die
Veröffentlichungen aus dem Nachlass klar bezeugen.
Unser Vorhaben ist es, diese Kurve ideell weiter steigen zu lassen,
damit das wertvolle künstlerische Erbe von Thomas Strittmatter nicht
in Vergessenheit gerät.
Der Kulturverein Rotehaare Wien, in Zusammenarbeit mit dem
italienischen Kulturzentrum „Raabe“,
das Thomas Strittmatters Held „Raabe Baikals“ gewidmet ist, will mit
diesem Projekt dem schwarzwälder Autor neue Aktualität verleihen und
in Wien und Rom die Vielfältigkeit und die Modernität seines Werks
vorstellen, indem eine Theaterperformance über seine letzten Stücke
dargeboten wird (Milchmusik), ein Überblick über seine Malerei und
seine Filmproduktion.
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Zeichnungen von Monica Giovinazzi zur
Vorbereitung des Buehnenbildes

Im Speigel sehe ich,
wie bleich ich bin


Umarmung

Die alte Schiebekammer
Schmelz
Meiselstraße, 20 - 1150 Wien
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»Mit seinen
zeitgeschichtlich orientierten, politisch sensiblen Stücken
bestätigt Thomas Strittmatter seinen Ruf, einer der interessantesten
deutschen Nachwuchsdramatiker zu sein.«
Der Spiegel
»Thomas Strittmatter ist ein unerbittlicher
Chronist der Provinz, ein alemannischer Erzähler mit kritischem
Verstand, ein Heimatdichter ohne jeden nationalistischen Einschlag.«
Die Weltwoche
»›Sollte es nicht‹, fragte er in einer Dankesrede,
›auch Preise für Schläfer und Träumer geben, der im Schlaf und im
Traum versteht, was Sache ist?‹ Strittmatter war ein solcher Träumer,
der als Schriftsteller mit schlafwandlerischer Sicherheit seinen Weg
ging. Vom Erfolg war er vom Beginn seines Schrifstellerlebens an
verwöhnt. Sein erstes Theaterstück, ›Viehjud Levi‹, noch in der
Schule geschrieben, war ein Geniestreich, der ihn schnell bekannt
machte und ihm bereits mit zwanzig Jahren den Landespreis von
Baden-Württemberg einbrachte.«
Neue Zürcher Zeitung
»Seine Sprache hat einen seltsam archaischen
Zauber.« Stuttgarter Nachrichten
»Mit dem Tod von Thomas Strittmatter verliert die
deutsche Literatur einen ihrer interessantesten und begabtesten
Autoren der jüngeren Generation.«
Süddeutsche Zeitung
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