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Die Gabe - Il
dono
Der
Mittelpunkt dieser Arbeit ist „die Gabe“ der Künstlerin
Paula Modersohn-Becker an die Welt, an die Kunst, an den Blick.
Das Stück von Monica Giovinazzi, einer italienischen Regisseurin - die
nun auch in
Wien tätig
ist, besteht aus Performances, visueller Erfahrung, Spiel mit
dem Publikum, Informations-Intermezzi und erklärenden Bildtafeln.
Die Leitmotive der Performances sind die
Isolierung der Künstlerin als Entzug der physischen Anwesenheit,
Ihre Konsequenz, die sich in Kehrreime
(ritornello) verwandeln, Ihre Auslieferung (sich zur Schau stellen)
und Starre, als zoomender Blick auf die sonderbare Stille und Ihre
extreme Aufmerksamkeit auf die geringste Bewegung. Das Publikum wird
einbezogen in die visuelle Erfahrung und wird Mitakteur der Performance. An der Wiener Aufführung hat auch die
Archaeologin Danica Beyll mitgearbeitet.
Vorwort
Die theatralische Dokumentation
widmet sich einer Künstlerin, die vergessen zu sein scheint oder in
Klisches gefangen ist. Ihr soll wieder neues Interesse verliehen
werden.

"Es ist für mich die beste Art und Weise, Künstlerinnen wie Paula
Modersohn-Becker in ihrer Gesamtheit vorzustellen und sowohl die
Formen ihrer Kunst als auch Informationen über ihre Biographie
angemessen wiederzugeben. Die theatralische Dokumentation ist für
mich die bevorzugte Art der Recherche und gleichzeitig der idealer
Raum für eine Vergenwärtigung von Intuitionen und Zeichen, die für
die Nachwelt hinterlassen wurden.
Ich bin skeptisch gegenüber pseudo-biographischen und
emotional-psychologischen Wiedergaben des Werkes oder biographischen
Kuriositäten von Künstlerinnen.
Denn eine theatralische Dokumentation sollte keine Stellung beziehen
und auch nicht forciert interpretieren.
Sie sollte vielmehr gewisse, überlegte Anregungen geben, die sich
aus einer intensiven Untersuchung des ganzen verfügbaren Materials
ergeben.
Daraus enstehen dann offene Verbindungen oder Assoziationen, die
Zweifel oder Neugier erwecken, zu Fragen führen und nicht allzu banale Antworten liefern."
(Monica Giovinazzi)
Mobiles Werk: "Die Gabe": von M. Giovinazzi
DIE GABE – IL DONO
eine theatralische Dokumentation über Paula Modersohn-Becker
deutsche Malerin (1876-1907)

Der Mittelpunkt dieser
Arbeit ist die Gabe.
Die Gabe der Künstlerin an die Welt, an die Kunst, an den Blick.
Die Welt: sie isoliert sich von der Gesellschaft in einem zeitlosen
Dorf.
Die Kunst: die Malerei ist ihre einzige große Liebe.
Der Blick: sie portraitiert sich ständig und unterzieht sich einer
andauernden Prüfung.

Der Aufbau:
Die Dokumentation besteht aus:
- Performances
- Visueller Erfahrung
- Spiel mit dem Publikum
- Informations-Intermezzi
- Erklärenden Bildtafeln

Skizze des Buehnenbilds von M.G.
Die Performances machen das Publikum auf die folgenden Themen
aufmerksam:
§ Die Entscheidung der Künstlerin, in Worpswede leben zu wollen
§ Die Anstrengungen, ihren künstlerischen und Lebens-Entscheidungen
treu zu bleiben
§ Das Opfer der eigenen Person
Die visuelle Erfahrung bezieht das Publikum in die Performance mit
ein und stellt es einigen Selbstbildnissen der Künstlerin
(individuelle Erfahrung) gegenüber. Der Teilnehmer kann aufgrund des
persönlichen Farbwahrnehmungsvermögens aus den zur Verfuegung
gestellten Blumen auswaehlen und entscheiden, wo er die Blumen im
Raum platzieren will.
Die theatralische Dokumentation wurde als Uraruffuehrung im Juni
2007 in Rom im Kulturzentrum Raabe aufgefuehrt.
Bibliographie:
Paula Modersohn-Becker - Von Dresden her - Philo Fine Arts
Paula Modersohn-Becker Ein Buch der Freundschaft - Atelier im
Bauerhaus
Paula Modersohn-Becker Göttertage - Worpsweder verl.
Christa Murken - P.M.B.Kinderbildnisse - Hatje Cantz verl.
Christa Murken - P.M.B. Leben und Werk - Dumont
Corona Hunger - P.M.B. 13 Fragen an die Kuenstlerin - Prestel

Die Auffuehrung in Rom(Juni 2007)
Technisches:
- Das theatralische Dokumentar-Spiel bedarf keines Theaters.
- Es kann in jedem Raum aufgeführt werden.
- Es werden frische Blumen in Vasen benötigt, verschiedener Farben,
in kleinen Kästchen, die je ungefähr fünf oder sechs kleinere
Vasen aufnehmen.
- 8-10 kleine Spiegel dienen für das Selbstportrait des Publikums,
zudem Farben, Bleistifte und Papier. Das Publikum sitzt nicht
frontal, sondern folgt den verschiedenen
Stationen des theatralischen Dokumentar-Spiels.
- Es wird ein Beamer benötigt mit Personalcomputer für die
Projektion der Bilder sowie ein CD-Player mit Lautsprecher für den
Gesang der Vögel...
- und einige Theaterleuchten.
Dauer: ca 50 Minuten

das Publikum beim Portrait
mehr darüber in der Webseite:
http://www.raabe.it/prima%20paula.htm
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Mein
Zugang zu Paula.
(Von Danica Beyll)
ist
geprägt von einigen „Zufällen“, die sich zu einem besonderen Ganzen
fügen. Vor etlichen Monaten von Monica Giovinazzi auf die Künstlerin
aufmerksam gemacht, zogen mich bald ihre leuchtenden Bilder,
besonders die Fülle von Kinderbildnissen und Selbstporträts, aber
auch die zahlreichen Stillleben in ihren Bann.
Dabei entdeckte ich, dass ich mich bereits vor mehr als 25 Jahren im
Schulzeichenunterricht genauestens mit dem Bild „Stillleben mit
Kürbis“ (1905, Sammlung Ludwig, Köln) auseinandergesetzt hatte,
indem ich genau dieses als Vorlage zum Kopieren ausgewählt hatte,
ohne jegliche Kenntnis über die Künstlerin. Erst die Beschäftigung
mit Kunst und Leben der Paula Modersohn-Becker in der letzten Zeit
führten zum Wiedererkennen des Bildes und zur Erinnerung an den
mühevollen Prozess des Kopierens vor vielen Jahren. Zu einer
Begegnung mit dem Original kam es nun endlich in der aktuellen
Ausstellung „Paula in Paris“ in der Kunsthalle Bremen.
In vielen Diskussionen mit Monica über die Künstlerin, in der
Betrachtung ihres umfangreichen Oeuvres, in der Lektüre ihrer Briefe
und Tagebucheintragungen und in den Zeugnissen von Menschen, die in
engem Kontakt mit Paula Modersohn-Becker standen, ist für mich ein
sehr lebendiges Bild der Malerin erwachsen, das ich gerne im Rahmen
der theatralischen Dokumentation von Monica Giovinazzi in einigen
besonderen Aspekten weitervermitteln möchte.
Ideen
zu „Kunst“
über einige Fragen: was beschreiben wir als „Kunst“?, was macht den
„Künstler“/die „Künstlerin“ aus ?, was braucht dieser/diese für
seine „Kunst“? …
… und wie kann ich diese Fragen in Beziehung setzen zu Paula
Modersohn-Becker ?
Mir erscheint wichtig, die künstlerische Persönlichkeit der P.M.-B.
im Zusammenhang ihres räumlichen und zeitlichen Umfeldes zu sehen
(Dresden, Bremen, Berlin, Worpswede, Paris um die Wende vom 19. zum
20. Jahrhundert) und ihre Entwicklung im Rahmen dieser Gegebenheiten
sowie damals denkbarer biographischer Möglichkeiten zu beobachten.
Paula
Modersohn-Becker äußert sich im Laufe ihres Lebens immer wieder zum
Thema „Kunst“, zu ihrem eigenen inneren Drang zu malen, zu ihrem
Lebensalltag mit der „Kunst“ als Mittelpunkt und Ziel: „Das ist mein
Leben, an dem mein Herz mit allen seinen Fasern hängt. Vielleicht
bin ich dadurch etwas einseitig. Ich glaube aber, wenn man es zu
etwas bringen will, so muss man seinen ganzen Menschen dafür
hingeben.“(1897), „Ich arbeite mit einer Leidenschaft, die alles
andere ausschließt.“ (an die Eltern, 28. 10. 1897), „Diese Hingabe
an die Kunst hat auch etwas Selbstloses. Die einen geben es den
Menschen, die anderen einer Idee. Ist darüber dieser zu loben und
jener zu tadeln ? ein jeder muss es halten, wie die Natur es von ihm
heischt.“ (an die Eltern, 10.9.1899), „ Die große Einfachheit der
Form, das ist etwas Wunderbares. Von jeher habe ich mich bemüht, den
Köpfen, die ich malte oder zeichnete, die Einfachheit der Natur zu
verleihen.“ (Tagebuch, 25.2.1903), „Zu sehen, wie weit man gehen
kann, ohne sich um ein Publikum zu kümmern.“ (an Otto Modersohn, aus
Paris, 3.3.1903), „Es ist eine Konzentration meiner Kräfte auf das
Eine. Ich weiß nicht, ob man das noch Egoismus nennen darf.“ (an die
Mutter, 19.1.1906), „Ich male lebensgroße Akte und Stillleben mit
Gottvertrauen und Selbstvertrauen. Die letzte Woche bin ich erst
abends aus meinem Bau herausgekrochen“ (an Martha Vogeler,
21.5.1906), „Nach Kraft ringen. Das klingt so dramatisch. Man tut
eben was man kann und legt sich dann schlafen.“ (an die Schwester
Milly, 12.8.1906), „… die Kunst ist schwer, endlos schwer. Und
manchmal mag man gar nicht davon sprechen.“ (an Milly, 21.2.1907).
Nachleben des Gesamtwerkes
Die
Tagebücher, die von PMB selbst nie für eine Veröffentlichung gedacht
waren, wurden in Teilen schön sehr bald nach ihrem Tod zum ersten
mal herausgegeben, und erlangten sogleich einen hohen
Bekanntheitsgrad.
Nicht so
das Bildnerische Werk:
Schon zu
Lebzeiten hatte PMB nur vier eher kleinformatige Gemälde verkauft,
alle drei Ausstellungen vor ihrem Tode wurden von der Kritik
verächtlich gemacht oder nur im Anhang an die Werke ihres Mannes
gesehen und als bedeutungslos gewertet. Erste posthume Ausstellungen
und die erste Monographie über die Künstlerin verdanken wir dem
damaligen Leiter der Bremer Kunsthalle , Gustav Pauli.
1927 wurde in der Böttcherstraße in Bremen das PMB-Museum
eingeweiht.
1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland
wurden die Werke als „entartete Kunst eingestuft, an die 70 Bilder
wurden in dieser Zeit zerstört oder gelten als verschollen.
Eine wirkliche Anerkennung großen Stils erfolgte eigentlich erst in
den Sechziger/Siebzigerjahren, noch immer aber hinkt der
Bekanntheitsgrad der Künstlerin ihrer tatsächlichen Bedeutung in der
Kunstgeschichte hinterher. Bis Ende Februar sind noch zwei große
Jubiläumsausstellungen in Bremen zu sehen.
Bibliographie:
Paula in Paris. Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um
1900 – Von Cézanne bis Picasso. Kunsthalle Bremen. 13. 10. 2007 –
24. 2. 2008. Ausstellungskatalog Hirmer 2008.
Rainer Stamm (Hsg.), Paula Modersohn-Becker und die ägyptischen
Mumienportraits. Eine Hommage zum 100. Todestag der Künstlerin.
Ausstellungskatalog Bremen 2007.
Christa Murken, Paula Modersohn-Becker. Leben und Werk. 2.Aufl.
2007, Köln.
Peter J. Harken, Stilleben von Paula Modersohn-Becker. Worpsweder
Verlag 1985.
Marina Bohlmann-Modersohn, Paula und Otto Modersohn. Rororo TB,
2.Aufl. 2004.
Gunna Wendt, Clara und Paula. Zwei Freundinnen und Künstlerinnen.
Hamburg 2002.
Toma Babovic, Anna Brenken, Auf Paula Modersohn-Beckers Spuren.
Hamburg, 3.Aufl. 2006.
Frauke Berchtig, Künstlerkolonie Worpswede. Prestel Verl., München
2006.
Angelica Hoffmeister-zur Nedden, Zur Maltechnik von Paula
Modersohn-Becker. Zeitschrift für Kunsttechnologie und
Konservierung. Jahrgang 11/1997, Heft 2, 286-300.
Danica Beyll,
geboren in Wiener Neustadt, Neusprachliches
Gymnasium, abgeschlossenes Diplomstudium Archäologie und Geschichte,
mehrjährige Teilnahme an den österreichischen Ausgrabungen in
Carnuntum und Ephesos. Ausbildung zur Kindergartenpädagogin, seit
1995 Tätigkeit in verschiedenen Kindergärten der Stadt Wien, zuletzt
im Integrationsbereich. Tochter Clara, 8 Jahre, Schülerin.

Stilleben 1 für die Performance - von Danica Beyll

Stilleben 2 für die Performance - von Danica
Beyll

Stilleben 3 für die Performance - von Danica Beyll

Stilleben 4 für die Performance - von Danica Beyll
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