RoteHaare   Kulturzentrum RoteHaare (Wien)

 
 
 

 
 

                        DIE GABE (IL DONO)

 
         
Monica Giovinazzi
 
 
 
     
Unsere Adresse:
Neustiftgasse 31
1070 Wien
Tel.:06644888014
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Die Gabe - Il dono
Der Mittelpunkt dieser Arbeit ist „die Gabe“ der Künstlerin Paula Modersohn-Becker an die Welt, an die Kunst, an den Blick. Das Stück von Monica Giovinazzi, einer italienischen Regisseurin - die nun auch in Wien tätig ist, besteht aus Performances, visueller Erfahrung, Spiel mit dem Publikum, Informations-Intermezzi und erklärenden Bildtafeln. Die Leitmotive der Performances sind die Isolierung der Künstlerin als Entzug der physischen Anwesenheit, Ihre Konsequenz, die sich in  Kehrreime (ritornello) verwandeln, Ihre Auslieferung (sich zur Schau stellen) und Starre, als zoomender Blick auf die sonderbare Stille und Ihre extreme Aufmerksamkeit auf die geringste Bewegung. Das Publikum wird einbezogen in die visuelle Erfahrung und wird Mitakteur der Performance. An der Wiener Aufführung hat auch die Archaeologin Danica Beyll mitgearbeitet.


Vorwort
Die theatralische Dokumentation widmet sich einer Künstlerin, die vergessen zu sein scheint oder in Klisches gefangen ist. Ihr soll wieder neues Interesse verliehen werden.

"Es ist für mich die beste Art und Weise, Künstlerinnen wie Paula Modersohn-Becker in ihrer Gesamtheit vorzustellen und sowohl die Formen ihrer Kunst als auch Informationen über ihre Biographie angemessen wiederzugeben. Die theatralische Dokumentation ist für mich die bevorzugte Art der Recherche und gleichzeitig der idealer Raum für eine Vergenwärtigung von Intuitionen und Zeichen, die für die Nachwelt hinterlassen wurden.
Ich bin skeptisch gegenüber pseudo-biographischen und emotional-psychologischen Wiedergaben des Werkes oder biographischen Kuriositäten von Künstlerinnen.
Denn eine theatralische Dokumentation sollte keine Stellung beziehen und auch nicht forciert interpretieren.
Sie sollte vielmehr gewisse, überlegte Anregungen geben, die sich aus einer intensiven Untersuchung des ganzen verfügbaren Materials ergeben.
Daraus enstehen dann offene Verbindungen oder Assoziationen, die Zweifel oder Neugier erwecken, zu Fragen führen und nicht allzu banale Antworten liefern." (Monica Giovinazzi)

Mobiles Werk: "Die Gabe": von M. Giovinazzi

DIE GABE – IL DONO
eine theatralische Dokumentation über Paula Modersohn-Becker
deutsche Malerin (1876-1907)

Der Mittelpunkt dieser Arbeit ist die Gabe.
Die Gabe der Künstlerin an die Welt, an die Kunst, an den Blick.
Die Welt: sie isoliert sich von der Gesellschaft in einem zeitlosen Dorf.
Die Kunst: die Malerei ist ihre einzige große Liebe.
Der Blick: sie portraitiert sich ständig und unterzieht sich einer andauernden Prüfung.

Der Aufbau:
Die Dokumentation besteht aus:
- Performances
- Visueller Erfahrung
- Spiel mit dem Publikum
- Informations-Intermezzi
- Erklärenden Bildtafeln

Skizze des Buehnenbilds von M.G.

Die Performances machen das Publikum auf die folgenden Themen aufmerksam:
§ Die Entscheidung der Künstlerin, in Worpswede leben zu wollen
§ Die Anstrengungen, ihren künstlerischen und Lebens-Entscheidungen treu zu bleiben
§ Das Opfer der eigenen Person

Die visuelle Erfahrung bezieht das Publikum in die Performance mit ein und stellt es einigen Selbstbildnissen der Künstlerin (individuelle Erfahrung) gegenüber. Der Teilnehmer kann aufgrund des persönlichen Farbwahrnehmungsvermögens aus den zur Verfuegung gestellten Blumen auswaehlen und entscheiden, wo er die Blumen im Raum platzieren will.
Die theatralische Dokumentation wurde als Uraruffuehrung im Juni 2007 in Rom im Kulturzentrum Raabe aufgefuehrt.

Bibliographie:
Paula Modersohn-Becker - Von Dresden her - Philo Fine Arts
Paula Modersohn-Becker Ein Buch der Freundschaft - Atelier im Bauerhaus
Paula Modersohn-Becker Göttertage - Worpsweder verl.
Christa Murken - P.M.B.Kinderbildnisse - Hatje Cantz verl.
Christa Murken - P.M.B. Leben und Werk - Dumont
Corona Hunger - P.M.B. 13 Fragen an die Kuenstlerin - Prestel

Die Auffuehrung in Rom(Juni 2007)

Technisches:
- Das theatralische Dokumentar-Spiel bedarf keines Theaters.
- Es kann in jedem Raum aufgeführt werden.
- Es werden frische Blumen in Vasen benötigt, verschiedener Farben, in kleinen Kästchen, die je ungefähr fünf oder sechs kleinere Vasen aufnehmen.
- 8-10 kleine Spiegel dienen für das Selbstportrait des Publikums,
zudem Farben, Bleistifte und Papier. Das Publikum sitzt nicht frontal, sondern folgt den verschiedenen
Stationen des theatralischen Dokumentar-Spiels.
- Es wird ein Beamer benötigt mit Personalcomputer für die Projektion der Bilder sowie ein CD-Player mit Lautsprecher für den Gesang der Vögel...
- und einige Theaterleuchten.

Dauer: ca 50 Minuten

das Publikum beim Portrait
mehr darüber in der Webseite: http://www.raabe.it/prima%20paula.htm

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Mein Zugang zu Paula. (Von Danica Beyll)

ist geprägt von einigen „Zufällen“, die sich zu einem besonderen Ganzen fügen. Vor etlichen Monaten von Monica Giovinazzi auf die Künstlerin aufmerksam gemacht, zogen mich bald ihre leuchtenden Bilder, besonders die Fülle von Kinderbildnissen und Selbstporträts, aber auch die zahlreichen Stillleben in ihren Bann.
Dabei entdeckte ich, dass ich mich bereits vor mehr als 25 Jahren im Schulzeichenunterricht genauestens mit dem Bild „Stillleben mit Kürbis“ (1905, Sammlung Ludwig, Köln) auseinandergesetzt hatte, indem ich genau dieses als Vorlage zum Kopieren ausgewählt hatte, ohne jegliche Kenntnis über die Künstlerin.  Erst die  Beschäftigung mit Kunst und Leben der Paula Modersohn-Becker in der letzten Zeit führten zum Wiedererkennen des Bildes und zur Erinnerung an den mühevollen Prozess des Kopierens vor vielen Jahren. Zu einer Begegnung mit dem Original kam es nun endlich in der aktuellen Ausstellung „Paula in Paris“ in der Kunsthalle Bremen.
In vielen Diskussionen mit Monica über die Künstlerin, in der Betrachtung ihres umfangreichen Oeuvres, in der Lektüre ihrer Briefe und Tagebucheintragungen und in den Zeugnissen von Menschen, die in engem Kontakt mit Paula Modersohn-Becker standen, ist für mich ein sehr lebendiges Bild der Malerin erwachsen, das ich gerne im Rahmen der theatralischen Dokumentation von Monica Giovinazzi in einigen besonderen Aspekten weitervermitteln möchte.

Ideen zu „Kunst“
über einige Fragen: was beschreiben wir als „Kunst“?, was macht den „Künstler“/die „Künstlerin“ aus ?, was braucht dieser/diese für seine „Kunst“? …
… und wie kann ich diese Fragen in Beziehung setzen zu Paula Modersohn-Becker ?
Mir erscheint wichtig, die künstlerische Persönlichkeit der P.M.-B. im Zusammenhang ihres räumlichen und zeitlichen Umfeldes zu sehen (Dresden, Bremen, Berlin, Worpswede, Paris um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert) und ihre Entwicklung im Rahmen dieser Gegebenheiten sowie damals denkbarer biographischer Möglichkeiten zu beobachten.

stilleben mit tonkrugPaula Modersohn-Becker äußert sich im Laufe ihres Lebens immer wieder zum Thema „Kunst“, zu ihrem eigenen inneren Drang zu malen, zu ihrem Lebensalltag mit der „Kunst“ als Mittelpunkt und Ziel: „Das ist mein Leben, an dem mein Herz mit allen seinen Fasern hängt. Vielleicht bin ich dadurch etwas einseitig. Ich glaube aber, wenn man es zu etwas bringen will, so muss man seinen ganzen Menschen dafür hingeben.“(1897), „Ich arbeite mit einer Leidenschaft, die alles andere ausschließt.“ (an die Eltern, 28. 10. 1897), „Diese Hingabe an die Kunst hat auch etwas Selbstloses. Die einen geben es den Menschen, die anderen einer Idee. Ist darüber dieser zu loben und jener zu tadeln ? ein jeder muss es halten, wie die Natur es von ihm heischt.“ (an die Eltern, 10.9.1899), „ Die große Einfachheit der Form, das ist etwas Wunderbares. Von jeher habe ich mich bemüht, den Köpfen, die ich malte oder zeichnete, die Einfachheit der Natur zu verleihen.“ (Tagebuch, 25.2.1903), „Zu sehen, wie weit man gehen kann, ohne sich um ein Publikum zu kümmern.“ (an Otto Modersohn, aus Paris, 3.3.1903), „Es ist eine Konzentration meiner Kräfte auf das Eine. Ich weiß nicht, ob man das noch Egoismus nennen darf.“ (an die Mutter, 19.1.1906), „Ich male lebensgroße Akte und Stillleben mit Gottvertrauen und Selbstvertrauen. Die letzte Woche bin ich erst abends aus meinem Bau herausgekrochen“ (an Martha Vogeler, 21.5.1906), „Nach Kraft ringen. Das klingt so dramatisch. Man tut eben was man kann und legt sich dann schlafen.“ (an die Schwester Milly, 12.8.1906), „… die Kunst ist schwer, endlos schwer. Und manchmal mag man gar nicht davon sprechen.“ (an Milly, 21.2.1907).

Nachleben des Gesamtwerkes 

Die Tagebücher, die von PMB selbst nie für eine Veröffentlichung gedacht waren, wurden in Teilen schön sehr bald nach ihrem Tod zum ersten mal herausgegeben, und erlangten sogleich einen hohen Bekanntheitsgrad.

Nicht so das Bildnerische Werk:

Schon zu Lebzeiten hatte PMB nur vier eher kleinformatige Gemälde verkauft, alle drei Ausstellungen vor ihrem Tode wurden von der Kritik verächtlich gemacht oder nur im Anhang an die Werke ihres Mannes gesehen und als bedeutungslos gewertet. Erste posthume Ausstellungen und die erste Monographie über die Künstlerin verdanken wir dem damaligen Leiter der Bremer Kunsthalle , Gustav Pauli.
1927 wurde in der Böttcherstraße in Bremen das PMB-Museum eingeweiht.
1933 nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland wurden die Werke als „entartete Kunst eingestuft, an die 70 Bilder wurden in dieser Zeit zerstört oder gelten als verschollen.
Eine wirkliche Anerkennung großen Stils erfolgte eigentlich erst in den Sechziger/Siebzigerjahren, noch immer aber hinkt der Bekanntheitsgrad der Künstlerin ihrer tatsächlichen Bedeutung in der Kunstgeschichte hinterher. Bis Ende Februar sind noch zwei große Jubiläumsausstellungen in Bremen zu sehen.

Bibliographie:

Paula in Paris. Paula Modersohn-Becker und die Kunst in Paris um 1900 – Von Cézanne bis Picasso. Kunsthalle Bremen. 13. 10. 2007 – 24. 2. 2008. Ausstellungskatalog Hirmer 2008.

Rainer Stamm (Hsg.), Paula Modersohn-Becker und die ägyptischen Mumienportraits. Eine Hommage zum 100. Todestag der Künstlerin. Ausstellungskatalog Bremen 2007.

Christa Murken, Paula Modersohn-Becker. Leben und Werk. 2.Aufl. 2007, Köln.

Peter J. Harken, Stilleben von Paula Modersohn-Becker. Worpsweder Verlag 1985.

Marina Bohlmann-Modersohn, Paula und Otto Modersohn. Rororo TB, 2.Aufl. 2004.

Gunna Wendt, Clara und Paula. Zwei Freundinnen und Künstlerinnen. Hamburg 2002.

Toma Babovic, Anna Brenken, Auf Paula Modersohn-Beckers Spuren. Hamburg, 3.Aufl. 2006.

Frauke Berchtig, Künstlerkolonie Worpswede. Prestel Verl., München 2006.

Angelica Hoffmeister-zur Nedden, Zur Maltechnik von Paula Modersohn-Becker. Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung. Jahrgang 11/1997, Heft 2, 286-300.
 

Danica Beyll, geboren in Wiener Neustadt, Neusprachliches Gymnasium, abgeschlossenes Diplomstudium Archäologie und Geschichte, mehrjährige Teilnahme an den österreichischen Ausgrabungen in Carnuntum und Ephesos. Ausbildung zur Kindergartenpädagogin, seit 1995 Tätigkeit in verschiedenen Kindergärten der Stadt Wien, zuletzt im Integrationsbereich. Tochter Clara, 8 Jahre, Schülerin.


Stilleben 1 für die Performance - von Danica Beyll


Stilleben 2 für die Performance - von Danica Beyll


Stilleben 3 für die Performance - von Danica Beyll


Stilleben 4 für die Performance - von Danica Beyll

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