|
„Oh ihr Schweine, ihr lebt
allzeit ein fettes und friedvolles Leben.
Seht euch jetzt das Leben der Menschen an: Sie haben getrunken, und
sie haben sich in Tiere verwandelt, die untröstlich hinter ihrem
blutenden Erlöser und seinem schwarzen Kreuz her laufen und weinen.
Hier stehen sie und weinen um die Schweine, die sie gegessen haben.
Kann man sich etwas tragischeres vorstellen?“
Vertiefung,
auf Deutsch ueber das Stueck und Luigi Pirandello
Der Heiland vom Schiff, der
gehört uns, uns Seeleuten, und wir sind keine Schweine!
„La Sagra“, sagte Pirandello einmal, „braucht ein Publikum mit einem
starken Magen. Es ist eine lebendige, oder besser gesagt sowohl
bunte wie brutale Darstellung von Sünde und Buße. Die Brutalität des
Menschen hat auch etwas tragisches an sich, hiervon sind die Tiere
glücklicherweise frei.“ La Sagra del Signore della Nave ist eine
Rechtfertigung der Würde des Menschen (dem edlen Tier) und des
Schweins (dem gemeinsten Tier). Diese Gegenüberstellung bildet den
Hintergrund eines Schlachtfestes, das jedes Jahr auf dem Land kurz
außerhalb von Agrigento gefeiert wird. Hier, vor der kleinen,
normannischen Kirche von St. Nikolaus beten sie den Heiland des
Schiffes an – ein großes Kruzifix mit furchteinflößenden Zügen, aber
mit wundertätiger Wirkung. Bei dem Schlachtfest entsteht ein Streit
zwischen dem Pädagogen und dem fetten Herrn Lavaccara. Dieser
behauptet, daß eines seiner Schweine – das er so sehr liebt, als ob
es sein Hund wäre – ein intelligentes Tier ist. Deshalb haben er und
sein Sohn es auch getauft, als es trächtig wurde. Es ist sogar so
intelligent, daß es ihn zu verstehen scheint und antwortet, wenn er
mit ihm spricht. Der Pädagoge glaubt nicht an Intelligenz und führt
ein kunstvolles Paradoxon an: Wie kann man ein Tier intelligent
nennen, das andere frißt, um selber fett zu werden? Der Mensch ist
intelligent, und er kann sich den Luxus leisten, zu essen wie ein
Schwein, und er weiß, dass er nicht geschlachtet wird, auch wenn er
fett wird. Dies erklärt die Überlegenheit des Menschen über das
Tier. Die Zweifel an seiner Überlegenheit rühren eher von dem Bild,
dass er bei dem chaotischen Fest abgibt. Die Atmosphäre wird immer
erregter, und das heidnische Treiben und der Höllenlärm scheinen die
Ansichten des Herrn Lavaccara zu bestätigen, daß die Menschheit im
Gegensatz zu den Schweinen den Respekt nicht verdient. Aber als die
Glocken zu läuten beginnen, reihen sich die Betrunkenen zu einer
Prozession hinter dem schrecklich gegeißelten Christus und schlagen
sich auf die Brust. Dies ist der Unterschied: „Oh ihr Schweine, ihr
lebt allzeit ein fettes und friedvolles Leben. Seht euch jetzt das
Leben der Menschen an: Sie haben getrunken, und sie haben sich in
Tiere verwandelt, die untröstlich hinter ihrem blutenden Erlöser und
seinem schwarzen Kreuz her laufen und weinen. Hier stehen sie und
weinen um die Schweine, die sie gegessen haben. Kann man sich etwas
tragischeres vorstellen?“
“Io dunque son figlio del
Caos; e non allegoricamente, ma in giusta realtà, perché son nato in
una nostra campagna, che trovasi presso ad un intricato bosco,
denominato, in forma dialettale, Càvusu”
Luigi Pirandello
(Caos - Agrigento 1867- Roma 1936) Pirandello viene a contatto
durante l’infanzia con il sostrato magico e animistico del contado
girgentano, in cui si mescolano riti e miti di origine araba e
greca, che gli forniranno più di una ispirazione letteraria. Inizia
gli studi universitari a Roma, dove osserva una società corrotta e
stanca, popolata dalla piccola burocrazia impiegatizia che sarà
protagonista di tante novelle di ambientazione cittadina. Prosegue
gli studi a Bonn, dove si laurea nel 1891. Si stabilisce a Roma,
compone le prime novelle e il primo romanzo. Qui vive con la moglie
Antonietta, sposata nel 1894 e con i figli che gli nasceranno
Stefano, Lietta Fausto. In questi anni Pirandello lavora alacremente
al suo secondo romanzo, collabora con riviste e giornali, compone
novelle e i primi atti unici per il teatro, insegna Linguistica alla
facoltà di Magistero. Nel 1904 pubblica il romanzo Il Fu Mattia
Pascal ed è subito successo internazionale; lavora alacremente
agli altri romanzi e ai saggi tra i quali L’umorismo (1908), vero
manifesto di poetica. Dal 1910 intensifica l’attività teatrale.
Riceve con le prime commedie un buon successo, continua la
produzione di novelle e romanzi. Dal 1916 comincia la luminosa
stagione del teatro grottesco, con importanti riconoscimenti di
critica e pubblico. Nel 1921 ha inizio la fase più importante del
suo teatro con la messa in scena di Sei personaggi in cerca d’autore
e a seguire Ciascuno a suo modo, Enrico IV, Questa sera si recita a
soggetto. Pirandello trascina il teatro italiano, col suo repertorio
romantico-naturalistico e borghese, fuori del provincialismo
ottocentesco e lo apre alle nuove esperienze drammaturgiche e
registiche europee. Il successo dell’autore siciliano diviene
planetario. Nel 1924 Pirandello assume la direzione artistica del
Teatro d’Arte, la cui compagnia in tre anni allestirà in Europa
oltre 50 spettacoli, riflette sul ruolo degli attori, del testo, del
regista alla luce delle più innovative esperienze europee da Antoine
a Pitoeff a Stanislavskij; con Pirandello si assiste anche in Italia
al passaggio dal capocomico al regista. Nel 1925, dopo quindici anni
di gestazione, pubblica il romanzo-testamento Uno, nessuno
centomila. Nel 1934 gli viene assegnato il premio Nobel per la
Letteratura. Mentre la sua fama mondiale tocca il culmine, in Italia
la notizia viene accolta con malcelato fastidio e qualche gelosia.

TORNA SU
-
HOME
|