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M.lle Camille
– La Valse
Das Leben der französischen Bildhauerin Camille Claudel ist in zwei
Abschnitte geteilt. Der erste Teil endet am 10. März 1913, mit der
Einweisung in eine Irrenanstalt. Der zweite Teil findet mit ihrem
Tode, am 19. Oktober 1943, sein Ende. Während des ersten Abschnitts
wird sie sich mit all ihren Kräften der Kunst widmen, im zweiten
Teil, der dreißig Jahre lang andauert, wird sie nicht mehr
bildhauern.
Was wird aus ihrer Kunst und aus der Energie die zur Entstehung
ihrer Werke geführt hatte? Was bleibt von ihrem Meisterwerk „La
Valse“?
Die Performance spielt sich in zwei Räumen ab, einer schwarz, der
andere weiß.
Der schwarze Raum ist lebhaft, voller Bewegung und durchzogen von
verschiedenen Rhythmen und Wörtern, von Stimme und Licht. Die
Performerin bewegt sich im Raum und ist kreativ. Es wirkt eine große
Stille, die Gefühle entflammen und ersticken, der Raum verändert
sich ständig unter den Augen der Zuschauer, die Bühne ist nackt,
ohne Vorhang und ohne bestimmte Regelung.
Die Performerin hinterlässt viele Lebensspuren, das Publikum wird
dynamisch miteinbezogen, muss näher zur Szene rücken oder davon
Abstand nehmen, muss stehen, hat es nicht bequem und muss sich hin
und her bewegen um die Aktion verfolgen zu können, kann zuhören oder
den Blick auch woanders hinrichten.
Das weiße Zimmer ist genau das Gegenteil. Es wird durch genaue
Regeln bestimmt, die der Struktur des Gewandes der „Valse“ entnommen
sind, es ist geordnet, gemessen und präzise berechnet. Die
Bewegungen der Performerin sind bis ins Detail festgelegt und auf
Basis einer genauen Partitur aufgezeichnet, um die hypothetischen
Bewegungen der Drapierung des Kleides der Valse wiederzugeben. Die
Aktion ist präzise und aseptisch. Das Publikum ist in der
Rauminstallation integriert und sitzt bequem. Die Performance wird
immer gleich präsentiert. Alles ist still.
Von der Decke gleiten störende Elemente die versuchen, diese
Reinheit zu unterbrechen: vergebliche Bemühungen und Bitten die aber
unbeachtet bleiben werden.
Zwischen den beiden Räumen ist ein Durchgang, ein Osculum:
gleichzeitig Eingang und Ausgang. Ein Niemandsland, und gerade als
solches, ein Ort der Ohnmacht und der Unvermeidlichkeit des
Schicksals, wie ein Mund der verschlingt, offen und stumm oder
geschlossen und schreiend.
Angstvoller Oxymoron einer Frau aus dem Fin de Siècle die von der
Gesellschaft ausgeschlossen wird weil sie nicht etikettierbar ist.
Bilder von der Wiener Aufführung
Die theatralische Dokumentation
Die theatralische Dokumentation widmet sich KünstlerInnen, die
vergessen zu sein scheinen oder in Klischees gefangen sind. Ihnen
soll wieder neues Interesse verliehen werden.
"Es ist für mich die beste Art und Weise, KünstlerInnen wie Camille
Claudel oder Paula Modersohn-Becker in ihrer Gesamtheit vorzustellen
und sowohl die Formen ihrer Kunst als auch Informationen über ihre
Biographie angemessen wiederzugeben.
Die theatralische Dokumentation ist für mich die bevorzugte Art der
Recherche und gleichzeitig der ideale Raum für eine
Vergegenwärtigung von Intuitionen und Spuren, die für die Nachwelt
hinterlassen wurden.
Ich bin skeptisch gegenüber pseudo-biographischen und
emotional-psychologischen Wiedergaben des Werkes oder biographischen
Kuriositäten von Künstlerinnen, denn eine theatralische
Dokumentation sollte keine Stellung beziehen und auch nicht forciert
interpretieren.
Sie sollte vielmehr gewisse, überlegte Anregungen geben, die sich
aus einer intensiven Untersuchung des ganzen verfügbaren Materials
ergeben.
Daraus entstehen dann offene Verbindungen oder Assoziationen, die
Zweifel oder Neugier erwecken, zu Fragen führen und nicht allzu
banale Antworten liefern.“
(Monica Giovinazzi)
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