Dostojevski-Machine: Raskolnikov

Raskolnikov – die Dostoevskij Machine von Monica Giovinazzi

in (Latina) Italien

 

 

Bericht vom Journalist und Theaterkritiker Giorgio Maulucci

 

„Raum und Verstand“, das könnte der Untertitel Monica Giovinazzis Bühnendeutung von „Schuld und Sühne“, von Dostoevskij sein. RASKOL’NIKOV DOSTOEVSKIJ MACHINE, der zweite Teil, den die Schauspielerin/Regisseurin, in diesem Jahr schon ihrem sozusagen Liebling widmet: "Dostoevskij mon amour?“, gibt sie offen zu! Es ist eine interessante und komplexe Darstellung, wenn man es genauer nimmt, eine Studie über den russischen Koloss. Wir sind uns einig: Eine dramatische Lektüre, oder besser, eine dramatisierte. Die „Dostoevskij Maschine“ wurde letztes Jahr, mit „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“, in Gang gesetzt, dieses Jahr dann, mit „Schuld und Sühne“, fortgesetzt, um nächstes jähr, mit „Der Idiot“, endgültig beendet zu werden. Ein Kreislauf, ein Weg, ein psychologisch und moralisch verzwicktes Knäuel, das die Regisseurin, die von der Dunkelheit und der Unbegreiflichkeit des menschlichen Wesens gereizt ist, lösen möchte. „Ich allein, habe die Tragik und das Leid des Untergrunds gezeigt, seine Verstümmelung, sein Wissen über ein besseres Leben und über die Unwahrscheinlichkeit dieses zu erreichen.“ (F.M. Dostoevskij).

Es ist nicht wirklich Raskol’nikovs Figur, die bei Giovinazzi im Vordergrund ist, sondern ein zwanghaft lebendes Leid. Es handelt sich mehr um ein moralisches Leid, als um ein physisches, oder, wenn man so will, ein biblisches Leid.

Das Stück beginnt, und die Zuschauer versinken mit der Szene in eine totale Dunkelheit, Giovinazzi in der Nähe des Publikums, mit einem kleinen Scheinwerfer in der Hand, beleuchtet die Kette, die sie um den Fuß trägt (Zeichen für den Kerker in dem der Mörder-Student Raskol’nikov eingesperrt war). Sie versucht sich zu entfesseln während sie flucht und um Gnade bittet, so leuchtet sie auf die restlichen Schauspieler, die ein Haufen bilden (Zeichen für Verurteilung). Das indirekt projizierte Licht, wie in einem Gemälde von Caravaggio, erzeugt weiße Flecken auf den Gesichtern, Händen, und, nur ganz selten, auf den Körpern und erschafft ein unheimliches Schattenspiel an der Wand. Technik, die auch schon, wie gesagt, von Caravaggio angewendet wurde, und die essentiell ist, um das zu zeigen, was die fiktive Darstellung manchmal ignoriert oder überfliegt.

Ein immenser Alptraum, immer mehr eine griechische Tragödie: die Schauspieler, immer noch als Haufen, fangen an, sich zu beschweren, unter der Hitze wie ein Chor zu klagen. Giovinazzi ist sowohl die Chorifäe als auch die Regisseurin "einer kleinen Gruppe von Komödianten" (Kantor), der alles was uns verboten wurde, hervorbeschwört. Langsam löst sich der Haufen, und es zeigt sich die Menschlichkeit der Figuren. Die Bühnenmaschine der Regisseurin ist lediglich Vorstellung. Sie gibt zu, von Kantors Regie und Leitung fasziniert zu sein, seine Idee von Theater sei einzigartig. Im "Raskol'nikov" zeigt sich der Einfluss des Polen eindeutig: Das Schwarze; die Toten Bewegungen und Atmosphäre; keine professionellen Schauspieler, was hervorhebt, dass diese Figuren, und keine Personen sind: um real zu bleiben? Die Regisseurin spielt sich quasi selber. Giovinazzi wedelt mit dem kleinen Scheinwerfer, als möchte sie mit einem Pinsel malen. Als möchte sie Fetzen dieser tiefen, dunklen dostoeskschen Figuren, Stück für Stück ein bisschen Licht schenken, um ihre Konturen besser zu erkennen. Dieses sehr expressionistische "Bild" ist die unverkennbare Ziffer des Theaters.

Der älteste Schauspieler (oder Darsteller), der überzeugende Antonio Amoruso, spricht in plötzlich von den Geistern, die ihn aufsuchen, sie seien echt, und sie würden jeden von uns ausspionieren. Wie Kantor in einer Ballade schreibt:"Sie stürmen ihre Klasse...bilden ein Triumphzug des Todes/ ein Triumphzug leidender Komödianten/ Zirkel des Todes/ bevor die Vorstellung anfängt/ menschliche Kreaturen/ sie schleifen kleine Körper mit sich""Dostoevskij Machine", erinnert, zumindest vom Titel, an Kantors "Die Maschine der Liebe und des Todes".

 

Vom Journalist Giorgio Maulucci

(Übersetzung Giacomo Ventresca)

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May 28, 2016

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